Buch 13: Atheistische Argumentationshilfen

Erkenntnisduelle. Aktuelle Konfliktthemen.

Diskurs 13.3./1


Schulz, Paul
Paris accuse !!
1. Teil
Zwölf Protest-Thesen


gegen die USA
und ihre europäischen Verbündeten,
die den nahöstlichen Islam
seit 15 Jahren systematisch vernichten.

Stoppt jeglichen Krieg im Nahen Osten!
Sofort!


1]   Paris accuse:

Die Ereignisse von Paris klagen an. Nicht die Täter. Die sind so wie sie sind und werden sich nicht ändern. Sie zahlen gewollt mit ihrem eigenen  Leben. Ihre  Nachfolger werden noch brutaler sein, denn die Lage speziell der IS-Terroristen >mit ihrem Befreiungskampf< hat sich so zugespitzt, dass sie wie angestochene Stiere reagieren: Jeder Angriff auf sie verstärkt die Brutalität ihrer Racheaktionen.

Die Ereignisse von Paris klagen vielmehr die an, die die Lage, aus der heraus die Terroristen agieren, hergestellt haben. Seit 15 Jahren haben die USA und ihre  Verbündeten islamische Städte zu Ruinen zerbombt mit Zigtausenden Toten und Hunderttausenden Vertriebenen, haben zerstörten und weiterhin bedrohten Lebensraum zurückgelassen oder die Länder mit harten Wirtschaftssanktionen lahm gelegt. Sie haben so im Nahen Osten flächendeckend eine >verloren Jugendgeneration< produziert, die unter dem Schicksal ihres Volkes jede positive Aussicht auf Zukunft verloren haben: in Afghanistan, im Irak, in Libyen in Syrien und  immer schon in Palästina. Ein Inferno des menschlichen Elends. Nicht zuletzt vegetieren auch in Paris Massen von Jugendlichen in Moslem-Ghettos in unmenschlichen Verhältnissen.

2]   Symbol-Ort Paris

Kaum ein anderer Ort der westlichen Welt steht so symbolträchtig für Terrorgewalt von Menschen, die sich in radikaler Not befinden, wie Paris: Wer über die Champs-Elysées flaniert, läuft direkt zu auf den damaligen Place de la Révolution, dem heutigen Place de la Concorde. Gegenüber der heutigen Assemblée Nationale, der französischen Nationalversammlung, stand inmitten der Stadt die Guillotine der Französischen Revolution. Mit ihr wurden an diesem Ort Tausende politisch Verfemte meist unter dem Jubel der Massen geköpft, vor allem Adelige und Kleriker, dazu König Ludwig XVI und Marie-Antoinette, seine Frau und Königin. Kirchen und Klöster wurden abgebrannt oder geschändet, allen voran Notre Dame. Ein endloser Flüchtlingsstrom der Verfolgten flüchtete aus Paris.

Die Französische Revolution in Paris 1789 ist noch kaum 200 Jahre her. Sie setzte sich dort 1830 – 1848 – 1870 – 1968 dramatisch fort. Immer war Paris  voran, und Europa folgte. Auch Deutschland. Gegen überzogene Wehleidigkeit heute sollten wir uns erinnern, dass die Befreiung aus Knechtschaft immer zu einem grausamen Kampf gegen die bestehende Herrschaft geführt hat, so auch der Befreiungskampf unserer Vorväter für die demokratische Verfassung und die Menschenrechte und in Folge für unsere westliche Freiheit und unser Wohlleben heute.

3]   Der Durchbruch in die Moderne

Alle Großkulturen, die heute in der Welt führend sind, haben in ihrer Kulturentwicklung derart dramatische Umbrüche durchkämpft als Ausbruch aus der geistigen Hinterwelt und Durchbruch in die Moderne, in die Welt der Vernunft, der Wissenschaften und Technik, der globalen Wirtschaft und Kommunikation mit einer neuen säkular-demokratischen, freiheitlichen Gesellschaftsordnung:  In den U S A  hat der Nord-Südstaaten-Bürgerkrieg 1861 bis 1865 unter schwersten Kämpfen und Verlusten die Unabhängigkeitserklärung durchgesetzt. In R u s s l a n d  hat die Oktoberrevolution der Bolschewiken 1917 einen dramatischen Gesellschaftsumsturz ausgelöst.  In  C h i n a  hat die Kulturrevolution Mao Tse-tungs 1966 bis 1976 das Land unter riesigen Menschenopfern erneuert.  Ebenso die Französische Revolution auch E u r o p a, das allerdings zurzeit schwer darum zu kämpfen hat, seine übernationale Einheit zu finden und zu sichern.

Anderen großen Kulturen steht ein solcher Umbruch noch bevor oder sie stecken gerade mittendrin: Indien, Schwarzafrika, Südamerika, der hinterindisch-indonesische Kulturgroßraum. Die Kulturgeschichte weiß, dass die Befreiung aus der Vergangenheit in eine neue Zukunft immer mit schweren Zusammenbrüchen verbunden war und sein kann.

4]   Der Islam befindet sich
in einem solchen dramatischen Kulturumbruch

Gerade durch die unmittelbare Konfrontation mit der vorauslaufenden Entwicklung der westlichen Welt ist der nahöstliche Islam in eine schwere Krise geraten. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das christliche Europa auch immer das Eroberungsfeld des Islams gewesen ist. 1453 fiel nach fast 1000 Jahren das christliche Weltzentrum Konstantinopel mit der Hagia Sophia in die Hände der Osmanen und wurde zum neuen Machtzentrum des Islam. Das westliche Europa hat sich gegen die Angriffe des Islam in oft verzweifelten Schlachten  erfolgreich gewehrt: 732. 1529. 1577. 1683. Doch Europa ist für den militanten Islam heute immer noch hoch aktuell. Peter Scholl-Latour, der große Islam-Kenner unserer Zeit, hat bis kurz vor seinem Tod in seinen Büchern immer wieder vor dem >Schwert des Islam< gewarnt.

Gegen diese kriegerische Gottesstaat-Religion muss die islamische Kultur noch endlos weite Wege gehen, um ihren Platz im Kreis der Großkulturen des 21. Jahrhunderts zu gewinnen. Sie steckt mit ihr noch immer in einer geistigen Hinterwelt, die zu unserer modernen freiheitlichen Welt heute in zentralen, weltlichen Werten absolut konträr steht. Damit steht sie nicht allein gegen Europa,  sondern auch gegen Amerika, Russland und China, die mächtigsten Großkulturen der Welt.

5]   Das islamische Schwert war immer das Symbol
erbarmungsloser Unterdrückung und Vernichtung:

Der Islam hat fast 1400 Jahre mit brutaler Gewalt geherrscht, nicht nur gegen den Nicht-Islam. Seine einzelnen Herrscherdynastien haben sich  gegenseitig umgebracht. Schon das erste bedeutende Kalifengeschlecht nach Mohammed, die Omajjaden, wurden von den nachfolgenden Abbassiden mit Ausnahme eines kleinen Prinzen, bis auf den allerletzten Mann ausgerottet. Jede der ihnen nachfolgenden Herrscherdynastien fiel der nächsten zum Opfer. Der Kampf untereinander, nicht nur Sunniten gegen Schiiten, war immer entsetzlich. Ihre Völker waren und sind in Religion versklavt.

Zurzeit bestimmt Saudi-Arabien mit dem Zentralheiligtum Mekka den Islam im Orient. Die Saudis sind >Wahhabiten< und damit Anhänger einer äußerst  puritanistischen Glaubensrichtung, mit der sie in den letzten 150 Jahren auf den Nahen Osten gewaltigen Einfluss gewonnen haben.  Mit ihrem strengen Wahhabitismus haben die Saudis die islamischen Glaubensfronten über den Sunniten-Schiiten-Konflikt hinaus ganz wesentlich verschärft. Sie haben damit den Islam zurückgeführt und zentriert auf die Idee des radikalen Gottesstaates und die absolute Gültigkeit der Scharia, die religiösen Rechtsgrundsätze  des Islam, als die fundamentale  Gesetzesgrundlage für ausnahmslos alle  Lebensbereiche.

6]   Der Vernichtungskampf der USA
gegen den nahöstlichen Islam seit 2001

Schon lange ist das wahhabitische Saudi-Arabien der Verbündete der US-Amerikaner gegen den nahöstlichen Islam. Deren Freundschaft stammt bereits aus der frühen Zeit, als sich sie USA dort Ihre Erdöllieferungen sicherten und  in der Region militärische Stützpunkte einrichteten. Daraus ist im Nahen und Mittleren Osten eine politische Fronde Amerikas mit den verbündeten Saudis geworden.  Georg W. Bush bildete daraus 2001 gleichsam die Achse der Guten  gegen die >Achse des Bösen<,  jenen >Schurkenstaaten<, die gegen Amerika (Richtung Russland) stehen und denen er den Krieg erklärte: Afghanistan, Irak, oder die er mit scharfen Wirtschaftssanktionen isolierte: Iran und Syrien.

Es kann überhaupt kein Zweifel sein, dass innerhalb dieser saudiarabisch-amerikanischen Linie der Aufstand gegen Assad gezielt initiiert worden ist. Die Saudis haben mit ihrem unermesslichen Reichtum alle Einflussmöglichkeiten, können alles kaufen und  bewirken, auch syrische Aufständische und den >Islamischen Staat<, das heißt, dass Assad gezielt herausgefordert worden ist, und zwar so, dass er die feindlichen Aufständischen mitten in seinem Volk (z.B. in Aleppo) angreifen musste, um seine Staatsmacht zu verteidigen.

[Der Autor war bis wenige Tage vor Ausbruch der ersten Homs-Aufstände im Februar 2011  anlässlich eines längeren Kulturauftrags in Damaskus. Neben seinen offiziellen Verpflichtungen war er auf Erkundung weit ins Land unterwegs nach Palmyra und in die Wirtschaftsmetropole Aleppo. In Damaskus hat er tagelang in den Suks gesessenen und mit vielen Menschen  gesprochen: Mit zufälligen Sukbesuchern, mit syrischen Studenten, aber auch aus Libyen, Marokko, Ägypten, Jordanien, mit Kaufleuten, Händler und Gastwirten, Handels- und Staatsvertretern. Immer auch über Assad und die parallel laufenden Ereignisse auf dem Tahirplatz in Kairo. Nirgendwo in Damaskus Umsturz- oder Revolutionsstimmung. Friedliches Leben der Christen in zehn Kirchen nebeneinander inmitten der Moscheen. Fast alle Gesprächspartner immer wieder pro Assad:  - Wer soll denn sonst unseren Staat anführen? Reformen kann es nur mit ihm geben. Ja aber, Syrien ist eine Diktatur. Wie bedroht fühlen Sie sich? - Ja, Syrien ist eine Diktatur, schon immer. Der Staat hat bei uns das Sagen. Wir wissen das. Wir wissen, was wir dürfen und was wir nicht dürfen. Aber die Grenzen sind weit gesteckt. Wir können damit leben. Wir sitzen hier mit Ihnen und trinken unseren Tee ... Allerdings waren allen die Saudis als Bedrohung im aktuellen Bewusstsein. Zum Schluss  immer wieder die gleiche Frage: Warum hilft uns Deutschland nicht?]

 

7]   Der Kreuzzug-Imperialismus der USA gegen den Islam

Als sich die USA um 1900 als >Union der Staaten von Amerika< konsolidiert hatten und ganz neu in die Weltpolitik eintraten, fasste die US-Regierung die Monroe-Doktrin, nach der sie selber keine Kolonien gemäß dem europäischen Modell gründen wollten. Es entstand der Traum Amerikas, den  Völkern stattdessen Demokratie und Freiheit zu bringen. Gerade zum Ende des 1. Weltkriegs hatte diese Botschaft eine große Wirkung, als der amerikanische Präsident Robert Wilson den Völkern fast naiv einen >Völkerbund gleichberechtigter, freier Staaten<  zu vermitteln suchte.

Dieser >hegemonistische Imperialismus<  der USA ist nach dem 2. Weltkrieg in einen >kriegerischen Imperialismus< (Hieroschima, Korea, Vietnam, Kalter Krieg) umgeschlagen. Seit dem Iran/Irak-Krieg 1980/88,  spätestens aber seit  dem 1. Irakkrieg 1990/01 und dem  2. Irak-Krieg 1998, ist im Jahr 2001 mit dem Afghanistan-Krieg die amerikanische Politik zu einem den Kreuzzügen ähnlichen Imperialismus gegen den Islam entartet, mit weiteren Folgen im libyschen Gaddhafi- und im syrischen Assad-Bürgerkrieg, beide seit 2011. Der humane US-Traum, den Völkern Demokratie und Freiheit zu vermitteln, ist zu einem irrsinnigen Yankee-Wahn verkommen, wenn nicht anders, dann mit Gewalt und Zerstörung fremden Kulturen die amerikanische Demokratie aufzwingen zu müssen.

8]   Der Kampf der Kulturen.
Keine fremde Kultur hat heute noch das Recht,
über eine andere Kultur Herrschaft auszuüben

- unter welchem Vorwand auch immer. Gemäß Samuel P. Huntingtons Zukunftsanalyse >The Clash of Civilizations< 1996  ist die Weltmacht USA nahezu aus allen Großkulturräumen rausgeflogen (oder nie drin gewesen). Nur noch mit einem Finger hängen die USA in der Islamkultur, mit verzögertem Absprung aus Afghanistan und in Syrien. Wieso eigentlich in Syrien?  Was wollen die da?  Haben sie dafür irgendein Mandat?  Nein? Wieder nur völlig eigenmächtig? Aber sie haben ja immer noch ihre alten Freunde, die Saudis. Die sind jetzt auch ganz nah an Syrien dran als die stärksten Feinde der Syrer: USA und Saudis. Wären die Russen nicht im letzten Augenblick gekommen, wäre ihr Syrien-Deal gelaufen.

Und dann das noch: Französische Bodentruppen sind schon nach Syrien abkommandiert, so heißt es. Frankreich nimmt jede Gelegenheit wahr, Wehrbereitschaft  zu demonstrieren, als seien französische Männer Legionäre der islamischen Kultur. Das französische  Eingreifen ist, wie schon in Libyen und auch in Mali,  ohne jegliches UNO-Mandat krasser Kolonialismus alten Stils. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, sondern die Mittel brechen Völkerrecht.

Nur dass Assad keine Atombombe hat, lässt Frankreich und die USA mutig erscheinen. Hätte er sie, und würde er wie Nordkorea damit drohen, müssten sie militärisch kleinlaut beidrehen und sich um zivile Konfliktlösung bemühen. Insofern ist der gesamte militärische Zugriff des Westens auf den Islam nur noch eine Möglichkeit auf Zeit, bis eines der dortigen Staaten atommächtig ist. Allein aber darin liegt ein bedrohender Zuwachs des zukünftigen Rachepotentials des IS-Islam, und damit der Verlust der Militärhoheit des Westens.

9]   Alle Fremdmächte raus
aus der nahöstlichen Islam-Kultur!
Der Islam muss sich selber finden!

Alle Fremdmächte – soweit sie noch oder wieder militärisch in Syrien stehen, müssen raus aus Syrien.  Dafür müssen zuallererst und sofort alle Kampfhandlungen eingestellt, ein tragfähiger Waffenstillstand ausgehandelt und Trennzonen eingerichtet werden. Jeder Kompromiss dafür erscheint besser als weiteres Vernichten und Morden, egal wer davon Vorteil hat. Schon die Verhandlungen dieser ersten Befriedungsstufe und alle weiteren Befreiungsstufen und Kontrollen müssen der Oberhoheit der UNO unterstellt werden. Die UNO muss endlich in der Lösung des Syrienkonfliktes aktiv werden.

Mit Erreichen des Waffenstillstandes müssen alle wehrfähigen Syrer zurück nach Syrien in die Verpflichtung für ihr eigenes Land zu kämpfen. Sie müssen für ihr Volk Verantwortung übernehmen, da wo sie gebraucht werden. Nach unserem demokratischen Verständnis sind auch Frauen (Beispiel Trümmerfrauen) verpflichtet, ihrem Land und Volk zu dienen. Deshalb ist diese nationale Pflicht auch auf syrische Frauen anzuwenden. Diejenigen, die Syrien verteidigen müssen, das sind die Syrer und Syrerinnen selber. Syrien  muss sich selber finden. Das geht nur, wenn die Syrer und Syrerinnen sich selbst vor den Karren spannen, sich mit eigener Kraft einsetzen und kämpfen.

10] Es kann nicht sein, dass junge deutsche Soldaten
in Syrien für Freiheit kämpfen,
und die wehrfähigen syrischen Männer sehen
zu Hunderttausenden von Deutschland aus zu !

Wir können nicht deutsche Soldaten nach Syrien in den Krieg schicken, um für die Syrer die Freiheit zu erkämpfen. Das geht formal zumindest so lange nicht, wie es dafür kein UNO-Mandat gibt. Selbst dann aber wäre es nicht sinnvoll,  denn man kann nicht stellvertretend für andere Sicherheit und Freiheit erwerben. Sicherheit und Freiheit kann man nicht mit großen Tüten bei Aldi einkaufen. Wer in Sicherheit und Freiheit leben will, der muss selbst für Sicherheit und Freiheit kämpfen. Wer in Syrien in Sicherheit und Freiheit leben will, der muss in Syrien dafür sorgen, dass in Syrien  Sicherheit und Freiheit herrschen.

Deutschland muss deshalb alles dafür tun, um die schnellstmögliche Rückkehr der syrischen Flüchtlingen nach Syrien zu ermöglichen. Wir müssen dabei sogar unsere Überzeugung klarstellen, dass wehrhafte Männer und Frauen nicht einfach aus ihrem Land weglaufen oder wegbleiben können, sondern eine Verpflichtung haben, ihr Land zu verteidigen und neu zu gestalten. Die Rückkehr von Hunderttausenden arbeitsfähigen Männern und Frauen aus allen Flüchtlingslagern ist geradezu die entscheidende Voraussetzung für die zukünftige Stabilisierung und den Wiederaufbau Syriens.  Ein schnellstmöglicher Einsatz aller Bürger hätte dabei für Syrien den Rang eines nationalen Rückrufs. Wenn sich in Deutschland ein wehrfähiger junger Mann als wehrpflichtiger Soldat der staatlichen Einberufung entzieht, wird er im Schwerstfall als Deserteur kriegsrechtlich verfolgt. Auch die Verweigerung wehr- und arbeitsfähiger syrischer Bürger und Bürgerinnen gegenüber einem nationalen Rückruf könnte eine solche Verletzung der Bürgerpflicht sein.

Eine solche konstruktive Flüchtlingspolitik zugunsten Syriens anlässlich eines Waffenstillstands würde die derzeitige deutsche, gar  europäische Flüchtlingspolitik völlig verändern. Selbstverständlich bliebe die Asylgewährung für persönlich Verfolgte gemäß rechtsstaatlichen Verfassungsvorgaben in Deutschland voll erhalten. Die Entscheidungen aber über die Flüchtlingsanträge aus Kriegsgründen würden mit dem Abschluss eines Waffenstillstands allermeist genau ins Gegenteil von dem gehen, was wir heute betreiben, nämlich eine größtmögliche langfristige Ansiedlung der Flüchtling aus dem nahöstlichen Islam. Im Blick auf einen baldigen Waffenstillstand und damit auf eine schnellstmögliche  Rückführung der Flüchtlinge nach Syrien wären kurzzeitige Aufenthaltsgenehmigungen bis zu einem bestimmten terminus ad quem äußerst ratsam. Das freundliche Willkommensritual könnte dann schnell durch ein  freundliches Verabschiedungsritual ersetzt werden.

11]  Nur eine harte Clash-Line als Grenze
schafft Ruhe stiftende Trennung der Kulturen

Mit  Samuel P. Huntington bezeichnen wir die Grenzen zwischen zwei Großkulturräumen als Clash-Line. Sie gilt für beide Seiten als absoluter Stopp gegenüber dem anderen Großkulturraum, der nicht überschritten werden darf. Der Ukraine-Konflikt zwischen Europa  und Russland war und ist noch aktuell ein derartiger Streit um die Clash-Line zwischen diesen beiden Großkulturen. Europa hat diese Clash-Line mit der beabsichtigten Ausweitung der EU-Gemeinschaft auf die Ukraine  gegenüber Russland  bewusst überschritten und in Frage gestellt. Das war für Russland eine Provokation gegen den russischen Hoheitsbereich. Schon Stalin hatte die offene Westflanke Russland zu Deutschland als Bedrohung gesehen. Zurzeit geht es mit der Ukraine um eine völkerrechtlich eindeutige Definition der Clash-Line als ultimative Grenzziehung zwischen Europa und Russland. Erst eine klare, von beiden Seiten anerkannte Definition, wird Befriedung schaffen.

Beispiele für totale Abschottung sind die Großkulturräume USA und China. Je weiter die Autonomie einer Kultur fortgeschritten ist, desto abgeschotteter ist sie, oder umgekehrt, je abgeschotteter die Kultur ist, desto autonomer und sicherer ist sie. Das heißt nicht, dass sie nicht offen wären für Zugänge. Sie haben diese aber voll unter Kontrolle. Ihre Grenzen sind absolute Clash-Lines.

Die Clash-Line zwischen Europa und dem Islam erweist sich nach vielen Kämpfen in den zurückliegenden Jahrhunderten wieder einmal als bedroht. Die Clash-Line der europäischen und  der islamischen Kultur ist nicht stabil gesichert. Dabei ist Europa als Großkulturraum nicht innerhalb Europas an den Grenzen seiner einzelnen Staaten zu sichern oder gar und zu verteidigen, sondern nur an der äußeren Grenze seines Großkulturraums. Das bestimmt das Schengener Abkommen. Entsprechend muss die Außengrenze Europas gegenüber dem Islam hermetisch abgeschlossen werden. Das ist eine fundamentale Gemeinschaftsaufgabe aller EU-Staaten.

Deshalb ist jeder unkontrollierte und unregistrierte offene Zugang aus dem Islam nach Europa illegal. Aus EU-Sicherheitsgründen ist damit die offene, deutsche Flüchtlingspolitik gegenüber dem Islam völlig abgesagt und muss sofort eingestellt werden. Das hat die letzte G20-Konferenz im November 2015 eindeutig festgestellt. Von daher ist die merkelsche, freizügige Willkommenspolitik gegenüber dem Flüchtlingsstrom aus dem nahöstlichen Islam als illegal gescheitert und muss auf legale Zuwanderung umgestellt werden. Damit ist eine prinzipielle, formale Sicherung des europäischen Kulturraums gegenüber dem Islam festgeschrieben. Die inneren Schäden der verfehlten, eigensinnigen Flüchtlingspolitik Merkels und damit Deutschlands sind damit noch keineswegs abzusehen oder gar abgestellt.

12]  Europas Position im 21. Jahrhundert
als autonome Großkultur

Samuel P. Huntingtons  Analyse und Vision der Neugestaltung der Weltpolitik im

21. Jahrhundert basiert auf der scharfen Grenzziehung zwischen den Großkulturen. Diese neuen weltpolitischen Zentren werden sich um ihre alten Kulturbereiche herum konturieren. Speziell in ihrer Kultur finden sie ihre eigene Identität durch die gemeinsame Geschichte, durch gemeinsame Sprachverwandtschaften, durch gemeinsame Religion oder Weltanschauung. Die speziellen Religionen werden dabei mit ihren alten Ritualen und Symbolen eine wichtige Rolle der Abgrenzung gegen andere Kulturen spielen. Kein Kulturraum kann und darf in seiner Entwicklungs- und Stabilisierungsphase seine Grenzen öffnen, Nachbarkulturen Ein- oder Übergriffe gewähren. Nur fest geschlossene Clash-Lines garantieren einer Großkultur totale Autonomie,  d.h. äußere Souveränität und innere Sicherheit und Eigenständigkeit.

Die Sicherheit und innere Eigenständigkeit der Großkultur Europa beginnt also damit, dass ihre Außengrenzen eindeutig definiert und stabil sind. Nur mit starken Außengrenzen kann Europa im >Kampf der Kulturen (Civilizations)< eine autonome Rolle spielen und seinen Rang als weltpolitisches Zentrum erhalten. Dieser >Kampf< muss auf Zukunft keineswegs nur militärisch stattfinden, ganz im Gegenteil. Das militärische Gleichgewicht der Großmächte wird ähnlich wie nach dem 2. Weltkrieg zwischen den USA und der UDSSR eine >Balance of  Power< herstellen, die wegen des Rückschlages die Gefahr eines Erstschlages minimiert.

Umso mehr werden die geistige Kulturleistungen in den einzelnen Großkulturen eine entscheidende Rolle spielen, die Leistungen in den Wissenschaften und der Technik, in Wirtschaft und Finanzen, in Kunst, Sport und Lifestyle – und vor allem im freiheitlich-humanistischen Denken und Handeln. Also gerade auf Gebieten, auf denen auch Deutschland in den letzten Jahren in der Welt immer stärkere Anerkennung und Respekt erworben hat. Darin liegen der Wettbewerb auch der EU-Staaten untereinander und die gemeinsame Aufgabe Gesamteuropas auf Zukunft in der globalen Welt.

Auf Zukunft müssten die Großkulturen Nordamerika, Russland, China, Japan, vielleicht auch Europa, zeitverzögert Indien, Hinterindisch-Indonesien, Südamerika, Schwarzafrika, schließlich auch der West-Islam als neue Machtzentralen in einer >Union der Großkulturen< zusammengeschlossen sein und global miteinander Weltpolitik gestalten als >Global-Government<.  Diese wahre Kulturrevolution im 21. Jahrhundert hätte etwas politisch Großartig-Positives:  Die globale Dimension einer freiheitlich aufgeklärten  Menschheit. Think big! Think global! Nationale Weltdominanz ist out.  Kulturgroßräume beherrschen die Zukunft.

Deshalb:
Damit die Menschheit eine Richtung einschlägt, in der auch wir Europäer uns wohlfühlen, muss Europa mit seiner 2500jährigen abendländischen Kultur und Geschichtserfahrung vorne mit dabei sein. Deshalb muss Europa heute bewahrt und gestärkt werden.

Europa est servanda!

__________________

Paul Schulz

Diskutieren Sie in
unserem Diskursforum!